Sepp Straffner – Ein Symbol für die Verteidigung der parlamentarischen Demokratie

Diese Broschüre würdigt das Leben und Wirken von Dr. Sepp Straffner (1875–1952) – einem der profiliertesten Vertreter des „Dritten Lagers“ in der Ersten Republik und Dritten Präsidenten des österreichischen Nationalrats.

Straffner steht für Prinzipientreue, Verantwortungsbewusstsein und den entschlossenen Einsatz für den Parlamentarismus in einer Zeit tiefgreifender politischer Krisen.

Ein Leben für Demokratie und Verantwortung

Geboren 1875 in Goisern (heute Bad Goisern) entstammte Straffner einfachen Verhältnissen. Nach Ausbildung, Militärdienst und Studium der Rechtswissenschaften in Innsbruck machte er als Beamter der k.k. Staatsbahnen Karriere und promovierte 1913 zum Doktor der Rechte.

Früh engagierte er sich in der deutschfreiheitlichen Bewegung und wurde 1919 Mitglied der Konstituierenden Nationalversammlung. Mehrere Male gehörte er dem österreichischen Nationalrat an, setzte sich für soziale Gerechtigkeit, Arbeitnehmerrechte und den föderalen Aufbau des Staates ein.

Dritter Präsident des Nationalrats

1930 wurde Sepp Straffner erstmals zum Dritten Präsidenten des Nationalrats gewählt – eine Funktion, die er mit strenger Objektivität und überparteilichem Pflichtgefühl ausübte. Seine sachliche Amtsführung und sein Einsatz für die Funktionsfähigkeit des Parlaments fanden über Parteigrenzen hinweg Anerkennung.

Die Krise von 1933 – Verteidiger des Parlamentarismus

Am 4. März 1933 kam es im Nationalrat zur bekannten Geschäftsordnungskrise, in deren Verlauf Straffner – gemeinsam mit Karl Renner und Rudolf Ramek – sein Amt niederlegte, um die unparteiische Leitung zu wahren.

Er versuchte anschließend, die Wiederaufnahme der parlamentarischen Arbeit zu ermöglichen, wurde jedoch von der Regierung Dollfuß daran gehindert. Damit begann das Ende der parlamentarischen Demokratie und der Übergang in den autoritären Ständestaat.

Straffner blieb dennoch seiner demokratischen Überzeugung treu und gilt als Symbolfigur für die Verteidigung der Republik.

Die Bedeutung seines Handelns wird etwa in der Arbeiter-Zeitung vom 10. März 1933 auf Seite 2 gewürdigt:

„Jeder verfassungstreue Republikaner kann dem Herrn Dr. Straffner nur dankbar dafür sein, dass er die Initiative ergreift, den verfassungsmäßigen Zustand wiederherzustellen. Wer die Verfassung will, wer nicht die freigewählte Volksvertretung ausschalten und an ihrer Stelle eine Diktatur der Regierung setzen will, der muss ja wünschen, dass der Nationalrat so schnell als möglich wieder verhandlungsfähig werde. Dazu ist die Einberufung des Nationalrates durch den dritten Präsidenten, der sein Amt niemandem übergeben konnte, es also notgedrungen solange weiterführt, bis er es einem neugewählten Nachfolger übergeben kann, der selbstverständliche Weg.“

Erinnerung und Bedeutung

Nach 1933 zog sich Sepp Straffner aus dem politischen Leben zurück und starb 1952.

Anlässlich seines 150. Geburtstags im Jänner 2025 erinnert die Publikation daran, dass Demokratie, Freiheit und parlamentarische Kultur stets verteidigt werden müssen.

Die Broschüre ist ein Beitrag zur historischen Gerechtigkeit und zum Bewusstsein für die Rolle des Dritten Lagers in der österreichischen Geschichte.

Buchangaben

Titel: Sepp Straffner – Ein Symbol für die Verteidigung der parlamentarischen Demokratie
Autor: Dipl.-Ing. Walter Asperl
Herausgeber: Freiheitliches Bildungsinstitut – Gesellschaft für Politik, Kultur und Meinungsfreiheit (FBI)
Erscheinungsjahr: 2025
Umfang: ca. 60 Seiten
Bezugsquelle: www.fbi-politikschule.at